Die lauten Nachbarn

Der Mama-Blog aus Salzburg

Month: January 2019

„Dein Weg zu uns” oder “Der 4. Kaiserschnitt”

Dieses mal kannte ich die Prozedur schon. Eine Woche vor dem vereinbarten Geburtstermin wurde Alles mit dem Arzt besprochen, wir schmunzelten über meine Todesängste beim letzten Kaiserschnitt und meine vielen Abschiedsbriefe, die ich damals am Vorabend schrieb. Jetzt war ich viel ruhiger. Ich wusste, dass ich statistisch gesehen eher im Auto auf der Fahrt ins Krankenhaus sterben würde als im OP und sparte mir daher die Horrorszenarien von einsam aufwachsenden Kindern ohne die Liebe einer echten Mama. (Schon bei dem Gedanken daran, kommen mir immer die Tränen!)

Emotional hatte ich mich und mein Baby auf diesen Tag gut vorbereitet. Mit meiner „Maria für Alles“ leistete ich gute Vorarbeit. (Eigentlich meine Physiotherapeutin, die aber auch craniosacrale Behandlungen macht, ein Studium zur Gehirnforschung absolviert hat und viele Mamas und Kinder auf ihrem Weg begleitet. Irgendwie ist sie auch meine Psychologin – also einfach eine Wohltat für Körper und Geist.) Wir sprachen viel über Ängste – auch über die Angst vor dem eigenen Tod – und ich vermittelte meinem Baby schon im Bauch, dass dies einfach unser Weg sei.

 

„Das ist Dein spezieller Weg ins Leben!

Diese Ängste betreffen nur mich!

Für Dich ist alles gut und in Ordnung kleines Baby!“

 

Wie es als Großfamilienmama eben so ist, hatte ich am Tag der OP sehr viel um die Ohren und eine extralange Hausübung verbunden mit einer enormen Unlust des Sohnemanns führten dazu, dass ich am späten Nachmittag sogar etwas zu spät zum „Check-In“ ins Krankenhaus raste. Mit drei Kindern, einem nervösen Ehemann und einem Riesenkoffer – ausreichend für eine Weltreise (immerhin mussten da ja Geschenke für drei große Geschwister rein passen) – stürmten wir also auf die Station, die wir von den anderen drei Geburten schon so gut kannten. Die Schwestern, Anästhesisten, Hebammen und Ärzte nahmen uns durch die Verzögerung natürlich gleich mit diversen Formularen und Untersuchungen in Beschlag und die Kids zerlegten in der Zwischenzeit fast das ganze Krankenzimmer bis sie von einer netten Schwester ein Abendessen spendiert bekamen. Wie immer bei uns war es laut, lustig und turbulent. Doch dann kam der Abschied – ich und zwei von drei Kids weinten – Drama pur! Ich konnte mich aber wieder schnell sammeln und verbrachte den Abend (nach meinem CTG) am Lap Top mit diversen Erledigungen. Schlafen konnte ich dennoch kaum.

Um 06:00 Uhr wurde ich geweckt, durfte noch schnell duschen und musste dann schon in den OP-Kittel schlüpfen. Ein Zugang wurde gelegt und ich bekam eine Infusion. Es wurde jetzt also ernst und die Nervosität stieg. Um 07:00 Uhr kam endlich mein Mann, der vorher noch die Kinder an die Oma übergeben hatte. Endlich war mein Fels in der Brandung da. Von da an lief es irgendwie wie am Schnürchen. Ich bekam meine Wunschhebamme (nicht sehr wichtig beim Kaiserschnitt, aber trotzdem nett), die auch gleich noch mal unseren Kinderarzt kontaktierte, der auch gleich fix zusagte. Juhu! Ich durfte dann – natürlich bewaffnet mit meinem roten Handtuch, in das jedes meiner Kinder gleich nach der Geburt gewickelt wurde – selbst in den Vorraum des OP’s spazieren und wurde nicht wie sonst im Bett hingefahren. Für Kreislauf, Wohlbefinden und Sodbrennen eine echte Wohltat. Noch eine Neuerung seit dem 3. Kaiserschnitt > bevor es in den OP ging, gab es noch einen Saft gegen das Aufstoßen der Magensäure. Yessss – noch eine Sorge weniger – hatte ich doch beim 3. Kaiserschnitt noch am OP-Tisch gekotzt, weil ich gefühlt einen Liter Magensäure im Mund hatte. Ein leckerer Cocktail war es geschmacklich natürlich nicht, aber wenns hilft – na gut.

Dann wurden wir getrennt und tatsächlich wendete sich für mich kurzzeitig das Blatt. Während mein Mann in einer Schleuse vorbereitet wurde, wurde ich – noch gut gelaunt – in den OP geschoben und mein Rücken wurde für die Spinalanästhesie vorbereitet. Gewohnter Ablauf – locker lassen – Füße baumeln nach unten – Schultern fest nach unten – und los! Dieses Mal ging die Nadel aber wohl nicht so einfach rein und ich spürte dieses „Gestochere“ in meinem Rücken sehr stark und für mich eine halbe Ewigkeit. Plötzlich wurde mir schwarz vor Augen und eine gigantische Übelkeit überfiel mich. Das OP-Team reagierte sehr schnell, lagerte meine Füße hoch und schon konnte es weitergehen mit dem „Gestochere“. Ich biss die Zähne zusammen, aber so ganz erholte ich mich nicht mehr davon. Die Betäubung wirkte dann sofort gut und das Team um mich legte so richtig los. Für mich war das in dem Moment vermutlich zu viel auf einmal: Ein Pfleger legte meine betäubten Beine nach oben, die Hebamme legte den Katheter, links bekam ich wieder irgendeine Infusion angehängt und rechts den Fingerclip für die Vitalfunktionen. Hinter mir stellte ein Pfleger das Kopfteil höher und als ich dann auch noch eine Sauerstoffmaske aufs Gesicht bekam, sah ich plötzlich rot. Zum ersten mal in meinem Leben hatte ich eine richtige Panikattacke. Ich schrie, fuchtelte panisch herum und mir wurde kotzübel. Alles drehte sich – es war schrecklich. Ich wusste, dass ich da durch musste, konnte mich aber einfach nicht mehr selbst beruhigen. Erst als ich meinen Gynäkologen neben mir sah, wurde ich eher weinerlich und ich rief ihm verzweifelt zu: „Ich schaffe das dieses mal nicht!“ Er sagte ganz ruhig, dass das kein Problem wäre und wenn es nicht ginge, bekäme ich ganz schnell eine Vollnarkose. Und plötzlich konnte ich wieder klarer denken: Weglaufen war keine Option und im Tiefschlaf zu liegen während andere MEIN Baby umsorgten auch nicht! Also hieß es: Augen zu und durch!

Endlich durfte mein Mann zu mir und es ging los. Ein Ruckeln, ein Wackeln, ein großer Mann, der so fest von oben auf meinen Bauch drückte, dass mir die Luft wegblieb und dann dieser magische Moment, als mein Arzt dieses wundervolle Wesen über den Trennvorhang (zwischen mir und meinem Bauch) hob und sagte: „Da haben wirs ja!“ Und ich war schon so gespannt und neugierig, dass ich tatsächlich – ganz oberflächlich – zuerst nach dem Geschlecht fragte: „Was haben wir denn bekommen?“ „Ein Mäderl!“ war die Antwort. Da ich so extrem auf einen Bub eingestellt war, musste ich das erst einmal kurz sacken lassen. Und dann endlich durfte ich sie halten. Ich hatte panische Angst sie fallen zu lassen, weil ich ja noch halbgelähmt am OP-Tisch lag. Aber wir hatten ja den frisch gebackenen 4-fach Papa bei uns, der schützend seine Arme um uns beide legte.

Liebe Zuckerpuppe – Du lagst in meinen Armen und hast kurz geweint. Ich durfte erstmals Deine zarten Wangen streicheln und küssen und Dir ins Ohr flüstern, dass Du jetzt und für immer bei Deiner Mama bist! Du wurdest ganz ruhig und hast nicht mehr geweint. Auf einen Schlag waren wir miteinander verbunden und verspürten tiefstes Vertrauen zueinander. Ja – ich glaube wir beide empfanden das so! Auf einen Schlag war der letzte Platz in meinem Herzen gefüllt mit der unendlich großen Liebe zu Dir! Jegliche Panik war verschwunden – kitschig aber wahr – übrig blieb nur noch das pure Glück!!!

PS: Die ersten Tage nach der Geburt bedürfen eines eigenen Berichtes, der – je nach Laune meiner Kids – hoffentlich bald folgt.

Teilen und Liken erwünscht:
Mom at work

Leben und leben lassen – Gilt das für jeden?

“Leben und leben lassen” – jeder Mensch darf sein Leben so gestalten, wie er selbst es für richtig hält! Leider zählen diese Richtlinien meist nur für eine Seite in einer Diskussion. So leider auch beim Rollenbild der Frau.

Niemand würde sich je trauen kinderlose, selbst bestimmt lebende Karrierefrauen zu kritisieren oder gar lächerlich zu machen. Wieso auch – es ist ihr persönlicher Weg, der niemanden etwas angeht. Eine Mutter mit mehreren Kindern, die sich zumindest in den ersten Jahren selbst um ihren Nachwuchs kümmert und das Ganze auch noch – ACHTUNG – gerne macht, muss sich dagegen allerhand anhören.

In diesen Tagen musste ich einen Artikel auf einem – von mir eigentlich sehr geschätzten Salzburger Blog – lesen, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Vielleicht weil ich in wenigen Tagen mein viertes Kind erwarte und somit den Satz: “Sogar eine Hochzeit planen oder schwanger sein kann man, ohne jeden Tag darüber zu reden.” als sehr frech empfinde. Vielen Dank für diese professionelle Einschätzung meiner Situation! Und dann beschäftige ich mich lt. Artikel auch noch den ganzen Tag mit so sinnlosen Tätigkeiten wie meine Familie möglichst gesund zu ernähren und den Riesensaustall einer Großfamilie zu beseitigen. Das wirklich Schlimme daran ist aber offenbar, dass ich auch noch darüber spreche und schreibe und mich mit anderen Müttern darüber austausche und das obwohl ich damit nicht die Welt retten kann.

Rät mir die Verfasserin dieses Artikels doch dazu ein Haus zu kaufen, daraus ein Hotel zu machen und damit mindestens 10 Arbeitssuchenden einen Job zu verschaffen. Ja das wäre sinnvoll und die arme Autorin müsste nicht mehr erzürnt davon berichten, wie es die Frauen ihrer Generation immer mehr zurück an den Herd zieht. Mein Problem dabei – scheinbar ist die Dame von Beruf Tochter und kann locker lässig mit ihrem Erbe Gutes tun. Für einen Normalsterblichen ist nämlich schon Punkt 1 hier in Salzburg unmöglich: Ein Haus kaufen!!!! Dass ich nicht lache! Ohne fetter Erbschaft oder einem Lottogewinn ist der Traum hier nämlich schon wieder ausgeträumt.

Sollte ich aber trotz aller Widrigkeiten mein kleines Hotel eröffnen und mich ganz auf meine Karriere konzentrieren, wer macht denn dann meine “niedrigen” Tätigkeiten im Haushalt, hilft den Kindern bei der Hausübung, fährt sie von A nach B, wickelt, wäscht die Wäsche, putzt, kocht, tröstet, pflegt im Krankheitsfall, usw.? Man hat ja auch wirklich kaum etwas zu tun an so einem lächerlichen Hausfrauentag.

Natürlich maße ich mir nicht an, dass das Aufziehen von vier Menschen auch nur annähernd so edel und wertvoll wie die Marketingtätigkeit für Kosmetik oder Bier, welche die Autorin als Referenz für ihr gelungenes Leben angibt, ist. (Übrigens habe auch ich ein Journalistikstudium absolviert und in sehr namhaften Unternehmen und Medienbetrieben gearbeitet – tatsächlich bin ich noch immer bei einer sehr großen Firma angestellt – hätte mir aber nie eingebildet meine Ziele und Wertvorstellungen als bedeutender als die anderer darzustellen!)

Bei dem Wunsch nach einer Anzeige jedes Hasspostings auf Facebook könnte ich aber behilflich sein! Wohin kann ich mich wenden um dieses Hassposting gegen Mütter anzuzeigen?

Teilen und Liken erwünscht:

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén

Facebook
Facebook
Pinterest
Instagram